Stadtentwicklung: Trotz Geldproblemen: Mainz arbeitet an seiner Attraktivität

Die von Biontech bescherten goldenen Zeiten sind vorbei. Der aktuelle Mainzer Haushalt ist nicht genehmigt. Gleichwohl tut sich in der Landeshauptstadt eine Menge – zumindest nach und nach.

In der Dom- und Universitätsstadt am Rhein wird an vielen Ecken geplant, gewerkelt und gebaut. Eine Übersicht über die zehn größten Projekte der Landeshauptstadt Mainz für die nächsten Jahre: 

1) Römisches Erbe – Grundlage für die Vermittlung schaffen

Das reiche römische Erbe in Mainz ist in der Stadt deutlich weniger präsent als etwa in Trier oder Köln. Nach einem Beschluss des Stadtrats solle das Thema intensiver vorangetrieben werden, sagt Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos). 

Ein Koordinierungsrat werde die Entwicklung des römischen Theaters und des ganzen römischen Erbes der Stadt zwei Jahre lang wissenschaftlich begleiten. Dazu gehört, erst einmal eine fundierte Grundlage für die Vermittlung der römischen Geschichte zu schaffen. Ein Besucherzentrum ist ein Ziel, die teilweise Wiedernutzung des Theaters ein anderes. 

Eine Infobox als temporäres Besucherzentrum gibt es aber bereits seit Oktober 2021, wie die Stadt betont. Das römische Bühnentheater kann auch schon jetzt in Führungen durch die Mauerreste erlebt werden, organisiert von der Initiative Römisches Mainz und virtuell in der Mainz-App. 

2) Gutenberg-Museum – OB Haase appelliert an das Land

Das Gutenberg-Museum zählte vor seinem Auszug aus dem 1962 errichteten Schellbau in der Nähe des Doms rund 160.000 Besucher pro Jahr. Vorübergehend präsentiert es sich in einem Gebäudeteil des Naturhistorischen Museums – mit einer neuen, modern konzipierten Ausstellung. Die „Best-of-Version“ mit dem Titel „Gutenberg-Museum MOVED“ soll Vorfreude auf den Neubau des Weltmuseums der Druckkunst machen. 

Aber wann steht der? Wegen ausstehender archäologischer Begutachtungen könne die Neueröffnung am alten Standort bisher nicht terminiert werden, heißt es bei der Stadt. Ende vergangenen Jahres war noch von 2028/29 die Rede.

Die Förderbedingungen mit dem Land seien immer noch nicht geklärt, kritisiert OB Haase. „Die Landesregierung hat die Unterstützung aber explizit im Koalitionsvertrag festgeschrieben und das müssen wir jetzt finalisieren. Da brauchen wir in wenigen Monaten wirklich handfeste und belastbare Abmachungen.“

3) Schum-Stätte Jüdischer Friedhof – Pavillon öffnet 2026 

„In Zeiten des aufflammenden Antisemitismus ist es enorm wichtig, dass wir unsere kulturelle Herkunft auch so deutlich präsentieren“, sagt Haase mit Blick auf die mehr als 1.000 Jahre alte jüdische Geschichte der Stadt. Am Alten Jüdischen Friedhof entsteht ein Besucherzentrum der Unesco-Welterbestätte. Der Pavillon soll 2025 fertig sein und im Jubiläumsjahr des Denkmalfriedhofs 2026 eröffnet werden.

Das Besucherzentrum wird auf einer erhöhten Plattform errichtet, die einen Blick über den Friedhof und dessen alte Bäume bietet. Er gehört mit den zahlreichen Grabsteinen aus dem 11. Jahrhundert zu einem der ältesten in Europa. Dort finden sich rund 1.700 Grabsteine. Die Kosten für das Zentrum wurden zuletzt auf rund fünf Millionen Euro beziffert – von der Planung bis zur Innengestaltung. Übernommen werden sie von der Stadt. 

4) Das Rathaus am Rhein – Wiedereinzug 2027 und schöneres Ufer

„Beim Rathaus sind wir gut im Zeit- und Kostenplan und rechnen immer noch mit 2027 mit dem Wiedereinzug“, sagt Haase. „Diese Keramikfassade wurde in der Größenordnung in Deutschland noch nie verbaut.“ Der vom Stadtrat im September 2020 verabschiedete Plan für die Sanierung des denkmalgeschützten Arne-Jacobsen-Baus geht von rund 104 Millionen Euro aus. 

Darüber hinaus sollen das Rheinufer und der Platz vor der Rheingoldhalle schöner werden. 

Die Sanierung des 1973 eröffneten Rathauses beschäftigt die Landeshauptstadt schon seit mehr als einem Jahrzehnt. 2014 gab es einen Ideenwettbewerb für das seit 2005 – gegen den Willen der Stadt – unter Denkmalschutz gestellte Rathaus. 2017 plädierte der Stadtrat für die Sanierung.

5) Museum für Antike Schifffahrt und Leiza – Öffnung rückt näher

Die Wiedereröffnung des seit 2022 geschlossenen Museums für Antike Schifffahrt ist für Ende 2025 geplant. Brandschutz und Barrierefreiheit hätten Zeit gekostet, heißt es beim Land.

Die Ausstellung des Forschungsmuseums, das zum Leiza (Leibniz-Institut für Archäologie) gehört, wird mit Mitteln von Bund, Land und Leibniz-Gemeinschaft modernisiert. Mehr als eine Million Euro wurden für die Konzeption und Umsetzung einer neuen Schau in dem 1994 eröffneten Haus bereitgestellt.

Die Finanzierung beider Museen sei gesichert, heißt es beim Leiza. Die Eröffnung der mit Spannung erwarteten hochmodernen Dauerausstellung zum Thema „Zusammen leben“ verzögert sich aber noch – und ist für die erste Jahreshälfte 2026 geplant. Rund 60 Millionen Euro hat das Gebäude neben dem Museum für Antike Schifffahrt gekostet.

6) Biotechnologie-Standort – wächst 

„Ich finde es ein starkes Zeichen, dass Biontech den Standort Mainz noch stärkt“, betont Haase. „Zur Stärkung des Standorts gehört auch die wissenschaftliche Infrastruktur, die wir gerade am Stadion aufbauen. Diese ermöglicht die Translation, Innovation in Anwendung zu übersetzen.“ 

Dabei orientiere sich Mainz an München. „Das Ziel muss sein, dass die vielen Innovationen, die wir gerade in der Medizin und der Biotechnologie in Manz haben, auch hier vor Ort ausgegründet werden“, sagt der OB.

Auf rund 30 Hektar Fläche stehen mit dem „Life Science Campus“ und einer Kaserne Areale zur Verfügung. Die ersten zwölf Hektar sind bereits erschlossen, bis zum Ende der vollständigen Entwicklung des Areals werden 10 bis 15 Jahre veranschlagt. 

7) Innenstadt beleben – mit vielen verschiedenen Maßnahmen

Der Leerstand in der City sinkt wieder: „Wir hatten zwei, drei Jahre nach Corona eine Steigerung der Leerstände auf 5,5 bis 6 Prozent“, sagt Haase. „Jetzt sind es wieder deutlich unter fünf Prozent.“ Der Kaufhof habe erhalten werden können und sei auf einem guten Weg und mit dem Null-Euro-Samstag würden viele Menschen in die Stadt gebracht. Dabei kostet der ÖPNV jeden ersten Samstag im Monat nichts. 

„Es gibt viele größere Projekte“, betont Haase. Die Aufwertung der Einkaufsstraße „Lu“ (Ludwigsstraße) ist eins davon. Und viele kleine Maßnahmen, wie der Austausch der Mülleimer, hätten dazu beigetragen, „dass es ein bisschen schöner aussieht“. 

8) Die Straßenbahn ausweiten – Neuordnung der City

Die Straßenbahn soll ausgebaut und ein Ring um die Innenstadt geschaffen werden, um weniger frequentierte Straßen mehr einzubringen und andere wie die Ludwigsstraße, auf der auch viele Feste sind, zu entlasten. „Neugestaltung, Neuordnung und Wiederaufwertung“, nennt Haase als Ziele. 2032 gibt die Stadt als möglichen Zeitrahmen an.

9) Das Regierungsviertel – Verkehr beruhigen

Das Regierungsviertel, das an das Kurfürstliche Schloss, den Rhein und den Landtag angrenzt, soll in den nächsten Jahren aufgewertet werden. Dazu gehöre auch die Verkehrsberuhigung am Rhein zwischen Landtag und Schloss, sagt Haase. Die mit Beteiligung der Bürger erarbeiteten Ziele sind vor allem: Geschichte sichtbar machen, einen Ort für Gemeinschaft und Begegnung schaffen sowie mehr Grün. Nächstes Ziel ist der Stadt zufolge ein städtebaulicher Ideenwettbewerb, für dessen Umsetzung sind einige Jahre veranschlagt.

10) Kurfürstliches Schloss – muss warten

Die Sanierung des von der TV-Fastnacht „Mainz bleibt Mainz“ in ganz Deutschland bekannten Schlosses neben Staatskanzlei und Landtag am Rhein sei angesichts der vielen anderen Projekte erst einmal hinten angestellt, sagt Haase. Die ehemalige Stadtresidenz der Mainzer Erzbischöfe steht nach dem Auszug des Leiza-Vorläufers weitgehend leer.

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