Isolierter Stamm: Tourist reist zu verbotener Insel – und hinterlässt Cola-Dose als Geschenk

Die Inselbewohner von North Sentinel wollen keinen Kontakt zur Außenwelt. Für einen amerikanischen Touristen kein Grund, es nicht zu versuchen.

Es gibt noch Menschen, die haben noch nie von Donald Trump gehört. Ein friedliches Leben. Und so sollte es auch bleiben. 

Wer sich dennoch auf die von der Außenwelt völlig abgeschnittene Insel North Sentinel im Indischen Ozean wagt und Kontakt zum nahezu unberührten Stamm der Sentinelesen aufnimmt, begeht nicht nur ein Verbrechen – sondern riskiert auch sein Leben.

Einen amerikanischen Touristen störte das offenbar wenig. Schließlich kam er mit Geschenken.

US-Tourist landet auf verbotener Insel

Die indische Polizei erklärte am Donnerstag, einen 24-Jährigen festgenommen zu haben, nachdem der sich in das Sperrgebiet in der Inselgruppe der Andamanen geschlichen hatte. 

Verlaufen hatte sich der junge Mann nicht, er wusste, was er tat. Mehr als eine Stunde lang soll er vom Ufer aus gepfiffen haben, um die Einheimischen auf sich aufmerksam zu machen. Erst danach sei er mit seinem Motorboot an Land gegangen. 

„Er landete kurz für etwa fünf Minuten, ließ die Geschenke am Ufer zurück, sammelte Sandproben und nahm ein Video auf, bevor er zu seinem Boot zurückkehrte“, so der Polizeichef. Mit Geschenke ist gemeint: eine Kokosnuss und eine Dose Cola. 

Doch die Sentinelesen ließen sich, zum Glück für den Störenfried, nicht blicken. Der verließ die Insel und wurde zwei Tage später festgenommen. „Der amerikanische Staatsbürger wurde nach seiner Festnahme dem örtlichen Gericht vorgeführt und befindet sich nun für weitere Verhöre in dreitägiger Untersuchungshaft“, sagte der Polizeichef der Andamanen und Nikobaren gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. US-Behörden seien informiert und „überwachten die Lage“. Auch seine indischen Helfer sollen zur Rechenschaft gezogen werden. 

Laut der Zeitung „Times of India“ erklärte der Amerikaner, er sei ein „Nervenkitzel-Suchender“ und habe auch schon die Taliban in Afghanistan besucht. Er soll bereits zweimal zuvor den illegalen Trip nach North Sentinal gewagt haben: Beim ersten Anlauf, im Oktober 2024 habe ihn Hotelpersonal noch aufgehalten, als sich der 24-Jährige mit einem aufblasbaren Kajak auf den Weg hatte machen wollen. Wenige Monate später versuchte er es erneut, wieder erfolglos.

Stamm der Sentinelesen: Inselleben in völliger Isolation

Die NGO Survival International beschreibt die Sentinelesen als „das isolierteste indigene Volk der Welt“. Der Stamm lebt abseits der Zivilisation als Jäger und Sammler und pflegt keinerlei Kontakt zum Festland. Bis nach Süd-Andaman, der Hauptinsel des Archipels, sind es 35 Kilometer. Wie viele Menschen das Eiland von der Größe Manhattans bewohnen, ist nicht ganz klar. Schätzungen reichen von 50 bis 200 Menschen. 

Wer sich der Insel auf fünf Kilometer nähert, ob Inder oder Tourist, begeht eine Straftat, die Insel ist Tabu. Abgesehen davon, dass eingeschleppte Viren das Volk auslöschen könnten, haben die Sentinelesen in der Vergangenheit immer wieder klargemacht, dass sie keinen Besuch wollen. Diese Erfahrung mussten Reisende schon mit dem Leben bezahlen.

Nicht der erste ungebetene Besuch

Erst 2018 töteten die Inselbewohner einen jungen amerikanischen Missionar, der gekommen war, um vor den Einheimischen zu predigen (der stern berichtete). „Mein Name ist John. Ich liebe euch und Jesus liebt euch“, soll er den Sentinelesen zugerufen haben. Die erschossen ihn daraufhin mit Pfeil und Bogen. Seine Leiche wurde nie geborgen – betreten verboten.

Doch mit der selbstgewählten Isolation könnte es für den Stamm bald vorbei sein. Neu-Delhi hat ein Auge auf die Region geworfen, die für den Handel und das Militär günstig gelegen ist. Mehr als neun Milliarden US-Dollar sollen bereits für den Ausbau von Häfen, Luftwaffenstützpunkten und Truppenunterkünften eingeplant sein.

Quellen: „Guardian„; BBC; „Times of India

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