Kirche: Stöbern und Recherchieren: „Kriegschroniken“ veröffentlicht

Das Ende des Zweiten Weltkriegs jährt sich zum 80. Mal. Wer etwas aus damaliger Zeit erfahren will, kann nun in den Manuskripten damaliger Pfarrer nachforschen.

Wer für ein Schulreferat, eine Gedenkfeier oder die Heimatforschung mehr über das Ende des Zweiten Weltkriegs in seiner Gemeinde erfahren möchte, kann kirchliche „Kriegschroniken“ nutzen. Online können Interessierte auf mehr als 7.000 Einzelaufnahmen der vollständig digitalisierten Dokumente aus württembergische Kirchengemeinden zugreifen, wie die evangelische Landeskirche in Württemberg in Stuttgart mitteilte.

Besatzung, Plünderungen, Rettung 

Der Zweite Weltkrieg endete am 8. Mai 1945 mit der Kapitulation des Deutschen Reichs. Viele württembergische Pfarrer dokumentierten den Angaben nach die letzten Tage des NS-Regimes in den Gemeinden sowie das Geschehen der Nachkriegszeit: die militärische Einnahme der Städte und Dörfer durch US-amerikanische und französische Truppen, Vergewaltigungen und Plünderungen sowie Rettung und Bewahrung. „Dabei spielen immer auch die Sichtweisen und Haltungen der jeweiligen Berichterstatter einer Rolle, so dass die „Kriegschroniken“, wie alle Zeitzeugenberichte, perspektivisch gefärbt sind.“

Dokumentation in unterschiedlicher Qualität 

1947 hatte die württembergische Kirchenleitung laut der Mitteilung angeordnet, flächendeckend für jede evangelische Gemeinde im Gebiet der Landeskirche die Zeit des Nationalsozialismus, des Kriegs und der Besatzung in „Kriegschroniken“ genau zu dokumentieren. Bis zum Abschluss der Aktion im Jahr 1957 seien rund 250 dieser Zusammenfassungen zusammengekommen. Der Umfang reicht von einer Seite bis 260 Seiten in unterschiedlicher Qualität. 

Das Evangelische Archiv Baden und Württemberg habe diese Einblicke nun online zugänglich gemacht. Auf einer Kartenansicht könnten die digitalisierten Dokumente gesucht, eingesehen und bei Bedarf heruntergeladen werden.

Wie sieht es im badischen Landesteil aus?

In Baden gab es hingegen keine Pflicht, eine Ortschronik zu führen, wie ein Sprecher der dortigen Landeskirche in Karlsruhe mitteilte. „Wenn es Kriegschroniken gibt, dann entsprangen sie der Eigeninitiative der betreffenden Pfarrer.“ Es sei häufiger vorgekommen, dass Pfarrer den Bericht zur ersten Visitation nach dem Krieg für eine Rückschau auf die Zeit bis 1935/36, als die letzten Visitationen durchgeführt worden waren, genutzt hätten.

Im Besitz der evangelischen Landeskirche in Baden gebe es Hunderte Akten zu den Themen Drittes Reich und Nachkriegszeit, aber nicht als Dokumentation. Eine Digitalisierung des Bestandes sei nicht geplant. Es fehlten die personellen und finanziellen Mittel, um den Bestand zu sichten. Anders als in Württemberg lagerten die Pfarrarchive zudem meist noch vor Ort in den Gemeinden.

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