Eine Frau hebt Geld in der Bank ab. Offensichtlich wird sie beobachtet. Unbekannte Täter greifen sie an. Ein Polizist schreitet ein. Es fallen Schüsse.
Die Täter sind der Frau offensichtlich nach einem Bankbesuch gefolgt – und haben sie in Berlin-Charlottenburg ausgebremst wegen einer Reifen-Panne. Kaum stand der Wagen, griffen sie nach der Luxus-Tasche mit mehreren Tausend Euro.
Ein Bundespolizist in Zivil, der zufällig das Geschehen in der Kantstraße beobachtete, schritt ein und wollte die Täter stoppen. Doch es gelang ihm nicht, wie die Polizei auf der Plattform X mitteilte. Nun wird nach einem blauen Fahrzeug mit Hamburger Kennzeichen gefahndet. Die Polizei bat um Hinweise, wenn ein verdächtiges Fahrzeug in der Umgebung des Tatorts auffällt.
Laut Polizeisprecher Florian Nath gingen die Täter mit „äußerster Rücksichtslosigkeit und Kaltblütigkeit“ vor. Als der Bundespolizist versucht habe, sie zu stoppen, seien sie auf ihn zugefahren. Der Beamte sei jedoch zur Seite gesprungen und haben gezielte Schüsse auf das Fluchtfahrzeug abgefeuert. Obwohl der Polizist den Reifen traf, entkamen die Täter in dem Auto in Richtung Bahnhof Zoo.
Autopannen-Masche bekannt
Die Autopannen-Masche ist der Polizei bekannt, wie Polizeisprecher Nath sagte. Bundesweit setzen Trickbetrüger sie ein, um Autofahrer anzuhalten und Geld zu erbeuten. Häufig wird die Autopanne nur vorgetäuscht.
Im aktuellen Fall in Berlin wich nach Angaben des Sprechers allerdings wirklich Luft aus dem Reifen des SUV der Frau. Die Polizei geht davon aus, dass die Täter den Platten verursachten, um die Fahrerin wegen des Schadens aus dem Auto zu locken.
„Ich habe gemerkt, dass irgendetwas nicht stimmt. So ein Zischen erstmal“, schilderte die 53-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. Ein paar Meter weiter konnte sie nicht mehr weiterfahren, weil sie einen Platten hatte. Etwa zehn Minuten zuvor habe sie bei einer Bank am Theodor-Heuss-Platz eine „größere Bargeldsumme“ abgeholt. Ein Mann sei panisch auf sie zugekommen. „Er war so panisch“, dass sie schließlich aus dem Auto gestiegen sei. Ihre Tochter sei zunächst noch im Wagen geblieben.
Letztlich seien aber beide ausgestiegen. Dann seien zwei Schüsse gefallen. „Da haben wir noch mehr Angst gekriegt“, so die 53-Jährige. Dass ihre Handtasche aus dem Auto gestohlen worden sei, habe sie erst später begriffen.
Zur Beute gibt es unterschiedliche Angaben. Die Frau berichtete einem dpa-Reporter von 10.000 Euro. Die Polizei sprach zunächst von einer „fünfstelligen Summe“, bestätigte aber später Medienberichte, wonach etwa 24.000 Euro gestohlen wurden.