Inside Kaufland: Kaufland tauscht nach Enthüllungen zwei Filialleitungen aus

Kaufland hat offenbar erste Konsequenzen aus den Enthüllungen von stern und RTL gezogen – und Führungspersonal ausgewechselt. Unterdessen werden Forderungen aus der Politik laut. 

Nach dem Skandal um Hygienemängel bei Kaufland, den stern und RTL am Donnerstag enthüllten, hat die Supermarktkette das Führungspersonal in zwei Märkten ausgetauscht. In den Filialen im oberbayerischen Bad Tölz und im saarländischen Homburg sei man bereits mit einer neuen Führung im Einsatz, teilte das Unternehmen laut der Deutschen Presseagentur mit: „Die Darstellungen in dem Bericht entsprechen in keiner Weise unseren strengen Vorgaben im Umgang mit Lebensmitteln sowie für Sauberkeit und Hygiene.“ 

Ein Rechercheteam von stern und RTL hatte deutschlandweit 50 Filialen von Kaufland untersucht, einer der größten Supermarktketten des Landes. In 48 davon fand es teils schwere Missstände vor: Mäusekot in einer Backwarenabteilung und Fäkalkeime auf Hähnchenfleisch, Schimmel an Käse und in Kühlregalen. Angestellte berichteten, überlastet zu sein – und ein Arbeitsklima der Angst zu empfinden. Am Ende, so erzählten sie, zähle vor allem der Umsatz. In der Filiale in Bad Tölz enthüllte das Rechercheteam unter anderem Tricksereien mit Mindesthaltbarkeitsdaten, in der Filiale in Homburg massiven Mäusebefall. 

Kaufland teilte gegenüber stern und RTL mit, man nehme die Hinweise aus den Recherchen ernst und gehe diesen nach, einige der beschriebenen Mängel entsprächen „definitiv nicht unseren Vorgaben“. Die Qualität der Produkte und der Schutz der Kunden, schreibt eine Sprecherin, hätten „für uns oberste Priorität“. Auch das Arbeitsklima für die Mitarbeiter sei dem Unternehmen wichtig.

Missstände bei Kaufland: Gewerkschaft ver.di schaltet sich ein

Politiker und die Gewerkschaft ver.di fordern unterdessen Konsequenzen aus dem Skandal. Parteiübergreifend ist die Rede von mehr Personal und mehr Kontrollen, um solche Zustände künftig zu verhindern. Außerdem werden Rufe laut, dass an Supermarkt-Eingängen ausgehängt werden soll, was Kontrollen ergeben haben.

Corinna Groß, Bundesfachgruppenleiterin für den Einzelhandel bei der Gewerkschaft ver.di, sieht die beschriebenen Zustände bei Kaufland als Ergebnis einer „Unternehmensstrategie, die auf ein System aus Druck und Sparpolitik setzt“. Die Mitarbeiter, so Groß, stünden unter enormem Druck. Für angemessene Hygiene fehle oft einfach die Zeit. Und: „Wer sich beschwert, leidet oft unter Repressionen.“ Die Gewerkschafterin findet, Kaufland habe den Bogen überspannt, sie fordert mehr Personal.

Nadine Heselhaus, verbraucherpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, sagt: „Zustände wie die im aktuellen Fall bei Kaufland sind vollkommen inakzeptabel.“ Um solche Zustände in Zukunft zu verhindern, fordert Heselhaus mehr Kontrollen. Sie schlägt zudem ein bundesweites Transparenzsystem vor, beispielsweise in Form eines Hygienebarometers. So könnten Verbraucher direkt am Eingang eines Supermarktes sehen, wann dieser zuletzt geprüft wurde.

Mehr Personal, mehr Kontrollen, mehr Transparenz

Der agrarpolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion bezeichnet die Zustände als „erschreckend“. Aus Sicht von Stephan Protschka sind es Kostendruck, Personalmangel und ineffiziente Abläufe, die dazu führten, dass es überhaupt so weit kommen konnte. Er sagt: „Lebensmittelsicherheit darf nicht dem Kostendruck zum Opfer fallen.“ Er fordert Unternehmen auf, ihrer Verantwortung gerecht zu werden. 

Ina Latendorf von der Linken bringt eine Neuorganisation der Lebensmittelüberwachung ins Spiel. Die Sprecherin für Verbraucherschutz sagt, diesbezüglich bestehe in Deutschland ein „Systemfehler“. „Die Bundespolitik verweigert sich dem Problem seit über einem Jahrzehnt.“ Die Lebensmittelkontrollen seien in den Kommunen und Ländern unterfinanziert, der Bund argumentiere mit fehlender Zuständigkeit. Das müsse sich ändern. Auch die Linken-Politikerin fordert, dass Ergebnisse von Lebensmittelkontrollen ausgehängt werden.

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