Schläge und Tritte gegen Milchkühe – eine Tierschutzorganisation veröffentlicht Videomaterial aus einem Betrieb. Der Amtstierarzt im Kreis Uckermark spricht von schockierenden Bildern und reagiert.
Wegen Vorwürfen der Tierquälerei geht die Veterinärbehörde des Landkreises Uckermark gegen einen Milchviehbetrieb vor. Der zuständige Amtstierarzt sieht den Verdacht einer Straftat und will Anzeige erstatten, wie er auf Anfrage sagte. Ausgelöst wurde der Fall durch Videomaterial, das die Tierrechtsorganisation Aninova veröffentlichte und die Veterinärbehörde auswertet.
Auf verdeckt gemachten Videoaufnahmen ist unter anderem zu sehen, dass Mitarbeiter Kühe mit Stöcken schlagen und Tiere treten. Zuvor berichtete RBB24. Die Organisation Aninova beklagt gravierende Missstände in dem Agrarbetrieb und spricht in einer Mitteilung von einem brutalen Umgang.
Amtstierarzt: Missstände in Vergangenheit festgestellt
Der Amtstierarzt des Landkreises Uckermark, Achim Wendlandt, sagte der Nachrichtenagentur dpa, bei dem Milchviehbetrieb, der um die 960 Tiere habe, seien in den vergangenen ein, zwei Jahren bei Kontrollen Missstände festgestellt worden, die erteilten Auflagen seien dann erfüllt worden. Es seien etwa Tiere mit Schäden an Gliedmaßen und mit Entzündungen festgestellt worden, die nicht in einem Krankenstall abgesondert oder nicht von einem Tierarzt behandelt worden seien. Auch die Kälber-Haltung sei teils nicht tierschutzgerecht gewesen.
Verstärkte Kontrollen im Milchviehbetrieb
Das Videomaterial, das die Veterinärbehörde in Prenzlau nun weiter sichtet, hält Wendlandt für echt. „Wir hatten auch gleich die Beschuldigten damit konfrontiert.“ Es werde auch verstärkte Kontrollen in dem Betrieb geben. Zudem wolle er Anzeige gegen den Inhaber und Mitarbeiter stellen. Die Bilder seien schockierend, sagte Wendlandt. „Man geht so nicht mit Tieren um.“ Kälber seien durch Gitter geschmissen, Tiere mit Füßen getreten worden. Schläge mit Knüppeln und Stöcken seien verboten.
Organisation: Material an Staatsanwaltschaft geschickt
Laut der Organisation Aninova, die nach eigener Aussage Strafanzeige erstattete, wurde die Videoaufnahmen von Dezember 2024 bis Februar 2025 in dem Betrieb aufgenommen und der Organisation zugespielt. Das Material sei der Staatsanwaltschaft Neuruppin übermittelt worden, hieß es. Ein Sprecher der Behörde in Neuruppin sagte am Vormittag, das Verfahren liege der zuständigen Abteilung noch nicht vor.
Im Interview mit RBB24-Recherche sagte der Eigentümer des Betriebs im Nordosten der Uckermark nach der Sichtung eines Teils der Videoaufnahmen unter anderem, er sei „schockiert“. Nach seiner Auskunft soll er bei der Übernahme des Hofes vor vielen Jahren den Mitarbeitern verboten haben, Kühe zu schlagen, wie der RBB berichtete. Der Betriebsinhaber war nach Bekanntwerden des Videomaterials für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar.
Bauernverband: Engagiert geführter Betrieb
„Die Bilder schockieren uns, spiegeln aber gleichzeitig nicht wider, wie unsere Tierhalterinnen und Tierhalter mit ihren Tieren täglich umgehen“, teilte der Landesbauernverband mit. Er sprach von einem ordentlichen Betrieb, der engagiert von einer Familie geführt werde. Diese sei selbst im höchsten Maße betroffen von den Vorfällen im eigenen Stall und habe arbeitsrechtliche Konsequenzen gezogen, so der Bauernverband in seiner Stellungnahme.