Der Trainer von Fußball-Rekordmeister Real Madrid, Carlo Ancelotti, hat in einem Steuerhinterziehungsprozess in Spanien die gegen ihn erhobenen Betrugsvorwürfe zurückgewiesen. Er habe „nie daran gedacht zu betrügen“ und auch „nie bemerkt, dass etwas nicht stimmt“, sagte der Italiener am Mittwoch zu Beginn seines Prozesses vor einem Gericht in der spanischen Hauptstadt Madrid. Die Staatsanwaltschaft fordert für Ancelotti vier Jahre und neun Monate Haft.
Sie wirft dem 65-Jährigen vor, in den Jahren 2014 und 2015 Teile seines Einkommens bei den spanischen Steuerbehörden nicht angegeben und so mehr als eine Million Euro an Steuern hinterzogen zu haben. Ancelotti soll in seiner Steuererklärung nur sein Gehalt bei Real Madrid angegeben, Einkünfte aus Bildrechten aber über ein „komplexes“ und „verwirrendes“ System von Briefkastenfirmen im Ausland vor dem spanischen Fiskus versteckt haben.
Ancelotti, der begleitet von seiner Frau Mariann Barrena und seinem Sohn Davide Ancelotti zum Prozess kam, sagte vor Gericht aus, das von der Justiz beanstandete Vergütungssystem sei ihm von Real Madrid vorgeschlagen worden. Er habe den Verein dann an seinen Berater verwiesen. „Ich habe mich nicht damit befasst, weil ich noch nie so bezahlt wurde“, sagte Ancelotti. Ihm sei auch nicht klar gewesen, dass es bei der Übertragung seiner Bildrechte an eine Firma um Steuerersparnis gegangen sei.
„Damals haben es alle Spieler und Trainer so gemacht“, sagte Ancelotti etwa mit Blick auf seinen Vorgänger bei Real, José Mourinho. Ihm sei erst aufgefallen, „dass etwas nicht stimmt“, als die Staatsanwaltschaft ab 2018 gegen ihn ermittelt habe.
Ancelottis Sohn Davide, der bei Real Madrid als Assistenztrainer seines Vaters arbeitet, sowie seine Frau sagten ebenfalls vor Gericht aus. Seine Stieftochter Chloe McClay wurde aus Los Angeles zugeschaltet. Als Ancelotti nach der Anhörung das Gerichtsgebäude verließ, sagte er, er fühle sich „gut“ und „entspannt“. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt. Zu jedem Zeitpunkt des Verfahrens ist zudem eine außergerichtliche Einigung möglich.
Spaniens Justiz hatte im Profi-Fußball zuletzt verstärkt durchgegriffen. Die Spieler Cristiano Ronaldo und Lionel Messi wurden beide wegen Steuerhinterziehung verurteilt, ebenso wie Trainer Mourinho. Ronaldo und Messi wurden schuldig gesprochen und zu hohen Geldstrafen verurteilt. Ihre Haftstrafen wurden zur Bewährung ausgesetzt. Mourinho einigte sich mit der Justiz auf eine Geld- und eine einjährige Bewährungsstrafe.
Ancelotti hatte Real erstmals von 2013 bis 2015 trainiert, nach Stationen bei Bayern München, der SSC Neapel und dem FC Everton übernahm er bei Real Madrid wieder 2021. Sein Vertrag läuft bis 2026. Er gewann als Trainer fünf Mal die Champions League und ist damit Rekordhalter.