Hilfe für Mütter in Not: 25 Jahre Babyklappe: „Es geht darum, Leben zu retten“

Eine Stahlklappe, dahinter ein Wärmebett mit Sensor, in das das Baby unerkannt gelegt werden kann. Vor 25 Jahren hat die erste Babyklappe geöffnet. Seitdem hat sich viel verändert.

Babyklappe“ steht in großen Buchstaben auf einer Leuchtsäule, daneben ein Schild mit der Aufschrift „Projekt Findelbaby“. Hinter der gläsernen Eingangstür baumelt ein kunterbuntes Mobile mit lustigen Tiermotiven, darunter eine Stahlklappe mit einem Griff. Dahinter befindet sich ein Wärmebett mit Sensor, in das ein Baby unerkannt gelegt werden kann. Ein warmer Anzug mit Strampler und selbstgestrickten Strümpfen und Mützchen liegt bereit, daneben zwei Schnuller und ein Kuschelhase. Auch ein Brief an die Mutter ist zu finden, in der ihr Hilfsmöglichkeiten angeboten werden. 

Neben einer Kindertagesstätte in Hamburg-Altona befindet sich Deutschlands erste Babyklappe, die der private Kitaträger Sternipark vor 25 Jahren am 8. April 2000 gründete. „Es geht darum, Leben zu retten. Wenn nur eine Frau den Weg zu uns findet, statt ihr Kind auszusetzen, dann hat sich unsere Arbeit schon gelohnt“, sagte Geschäftsführerin Leila Moysich der Deutschen Presse-Agentur dpa. 

Mitarbeiter kümmern sich sofort um Neugeborenes

Legt jemand ein Baby in das Wärmebett hinein, wird ein Alarm ausgelöst und Mitarbeiter kümmern sich sofort um das Neugeborene. Anschließend wird das Baby bis zu acht Wochen von Pflegeeltern betreut. Meldet sich die Mutter bis dahin nicht, wird das Kind in Adoptionspflege gegeben. Eine Adoption ist dann frühestens nach einem Jahr mit Genehmigung des Gerichts möglich; die Mutter oder der Vater haben bis dahin die Möglichkeit, das Kind zu sich zurückzunehmen.

Die Idee entstand 1999, als in Hamburg in kürzester Zeit vier Babys ausgesetzt wurden – zwei davon konnten nur tot geborgen werden. „Damals überlegten wir uns, wie wir Müttern in Not helfen können“, erzählte Moysich. Seitdem wurden 60 Säuglinge bei den Babyklappen von Sternipark abgegeben – neben Altona betreibt der Verein noch eine Babyklappe in Hamburg-Wilhelmsburg und eine in Satrupholm in Schleswig-Holstein. 

„Im ersten Jahr wurden uns sieben Kinder übergeben, mittlerweile sind die Zahlen deutlich zurückgegangen“, sagte Moysich. Momentan werde pro Jahr nur noch ein Baby in den Babyklappen des Kitaträgers abgegeben. 

Das liege zum einen an der gestiegenen Zahl von Babyklappen – mittlerweile gebe es rund 100 in Deutschland. Zum anderen hätten sich durch Elternzeit, Elterngeld und den Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz auch die Lebensumstände für Mütter verbessert. „Da hat sich viel getan in Deutschland, sodass es wieder mehr wert ist, Kinder auf die Welt zu bringen“, sagte die 45-Jährige. 

Auch die Möglichkeit der vertraulichen Geburt, die es seit 2014 gebe, habe die Situation für Mütter in Notlagen enorm verbessert. Dabei hinterlässt die Mutter ihre persönlichen Daten in einem Umschlag. Das Kind kann diese Daten nach seinem 16. Geburtstag einsehen, wenn es möchte.

Für Sternipark sei von Anfang an klar gewesen, dass es neben den Babyklappen auch schon vor der Geburt Hilfsangebote für Mütter in Not geben müsse. „Keine Mutter macht es sich leicht, ihr Baby abzugeben“, sagte Moysich. Deshalb habe Sternipark die Notrufnummer 0800/4560789 ins Leben gerufen und seitdem mehr als 850 anonyme Geburten begleitet – wobei nur 27 Mütter tatsächlich anonym geblieben seien. „Rund 60 Prozent der Mütter haben sich später doch noch für ein Leben mit ihrem Kind entschieden“, sagte die 45-Jährige. Die anderen Kinder wurden zur Adoption freigegeben.

Ethikrat empfahl Schließung der Babyklappen

Babyklappen sind allerdings nach wie vor umstritten. In einer Stellungnahme aus dem Jahr 2009 empfahl der Ethikrat eine Schließung der Babyklappen. Die Angebote anonymer Kindesabgabe seien ethisch und rechtlich sehr problematisch, insbesondere weil sie das Recht des Kindes auf Kenntnis seiner Herkunft und auf Beziehung zu seinen Eltern verletzten, hieß es. 

Dieser Auffassung folgt auch der Kinderschutzbund. „Kinder haben ein Grundrecht auf Wissen um ihre Abstammung. Und wenn sie anonym in eine Babyklappe gelegt werden, haben sie keine Möglichkeit mehr, im Nachgang nachzuvollziehen, woher sie eigentlich stammen“, sagte die stellvertretende Geschäftsführerin, Martina Huxoll-von Ahn, dpa.

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