Daheim ist’s am schönsten. Finden offenbar auch Bartgeier. Gerade gibt es im Nationalpark Berchtesgaden eine Art Familientreffen. Und erste Anbandel-Versuche.
Es schaut fast aus wie eine Verabredung: Im Nationalpark Berchtesgaden sind kurz vor der geplanten fünften Auswilderung die meisten der bisher in die Wildbahn entlassenen Bartgeier zurückgekehrt.
„Fünf von sieben Geiern halten sich seit Anfang März im Umkreis von wenigen Kilometern um den Königssee auf und fliegen gemeinsam in wechselnden Konstellationen durch die Bergwelt“, berichtet der Bartgeierexperte des Umweltverbandes LBV, Toni Wegscheider. Mit Bavaria, Recka, Nepomuk, Wiggerl und Vinzenz seien Vögel aus allen Auswilderungsjahren zurück in dem Gebiet, in dem sie aufwuchsen, erste Flügelschläge übten und schließlich erstmals in die Lüfte starteten.
Geburtstagstreff?
„Die Tatsache, dass alle fünf Geier in den ersten Märztagen der verschiedenen Jahre von 2021 bis 2024 geschlüpft sind, lässt das Aufeinandertreffen fast wie eine gemeinsame Geburtstagsparty wirken“, sagte Wegscheider weiter. Auch in diesem Jahr erwartet der Nationalpark „Nachwuchs“. Der Bruterfolg im europäischen Nachzuchtprogramm sei gut. Wahrscheinlich Ende Mai oder Anfang Juni sollen wieder zwei Jungtiere in die Auswilderungsnische.
In den ersten Lebensjahren fliegen Bartgeier weite Strecken durch den Alpenraum, um nach Artgenossen und Nahrung zu suchen. Zwei Drittel der Geier kehren aber später in ihre gefühlte Heimatregion zurück.
Junger Nepomuk interessiert an Damenwelt
Ein junger Geier ist schon ein wenig auf Freiersfüßen oder -schwingen unterwegs: „Der nun zweijährige Nepomuk lässt bereits Interesse an Recka und Bavaria erkennen, auch wenn alle in Berchtesgaden ausgewilderten Vögel noch zu jung für ernsthafte Verpaarungen sind“, sagt Wegscheider. Das Projektteam hofft, dass sich Paare bilden und in einigen Jahren das erste Küken seit Jahrhunderten in der Region schlüpft.
Größte flugfähige Vögel
1879 war laut Wegscheider der letzte Bartgeier auf deutschem Boden geschossen worden – am Hintersee bei Ramsau, nur etwa einen Kilometer von der Stelle entfernt, wo im Mai die jungen Vögel ausgesetzt wurden. Früher habe man die Tiere mit einer Spannweite bis zu 2,90 Metern für gefährlich gehalten. Tatsächlich aber sind sie für Menschen und Tiere ungefährlich. Sie fressen nur Aas.